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Warum werden trotz reduziertem Verkehrsaufkommen zum Teil weiterhin hohe Luftschadstoffwerte gemessen? Und was bedeutet das für Dieselfahrverbote?

Die Lockdown-Maßnahmen der Bundesregierung von Mitte März bis Mitte Mai haben infolge geschlossener Kitas, Schulen, Geschäfte und Restaurants sowie vermehrtem Homeoffice dazu geführt, dass sich das tägliche Verkehrsaufkommen deutlich reduziert hat, rund um Hamburg und Kiel zum Teil um 60-90%. Der Straßenverkehr ist aufgrund der Emissionen aus Verbrennungsmotoren eine relevante Stickstoffdioxid (NO2)-Quelle. NO2 gehört zu den reaktiven Stickstoffen, ist somit Vorläufer von bodennahem Ozon, schädigt die Atemwege und die natürlichen Stoffkreisläufe.

Während Satellitenaufnahmen zur verbesserten Luftqualität vor allem in China um die Welt gehen, sind einige Schadstoff-Messwerte in deutschen Innenstädten höher, als der starke Rückgang an Verkehr manchen erwarten ließe. Vermehrt kam die Frage auf, warum das so ist und ob damit Verbote von Dieselfahrzeugen als hinfällig anzusehen seien.

Die Satellitenaufnahmen von Wuhan zeigen die Stickstoffdioxid-Belastung in höheren Luftschichten die auf Grund verringerter Emissionen von Fabriken, Autos und Kraftwerken nachweislich zurück gegangen ist. Dieser Rückgang lässt sich auch für Europa erkennen. Zusätzlich begünstigt wurde der sogenannte „Corona-Effekt“ auf saubere Luft durch „Polarluft in weiten Teilen Europas sowie eine andauernde Westwindlage“, wie Forscher des Deutschen Luft- und Raumfahrt Zentrums feststellten.

Bei Bodennahen Messungen wurden in manchen deutschen Städten trotz Verkehrseinbruch potentiell gesundheitsgefährdende Messwerte festgestellt was manche an der Sinnhaftigkeit von Dieselfahrverboten zur Verbesserung der Luftqualität zweifeln lässt. Für NO2 ist eine Erklärung in der allgemeinen Wetterlage zu finden. Der April 2020 war nicht nur sehr niederschlagsarm, was eine Auswaschung der Luftschadstoffe verzögert hat. Aufgrund lokaler reliefbedingter Inversionswetterlagen kam es im März zusätzlich zu wenig Luftdurchmischung und vorhandene NO2-Moleküle blieben in den bodennahen Luftschichten stehen.

Die Feinstaub-Konzentrationen (PM2,5) werden dagegen auf den Satelliten-Bildern nicht dargestellt. Dass diese bei Bodennahen Messungen nicht im Verhältnis zum geringeren Verkehr zurückgegangen sind, zum Teil sogar zugenommen haben, hat mehrere Gründe. Anders als bei NO2 sind Verbrennungsmotoren nicht die Hauptquelle, sondern die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung und Gülle-Ausbringung, sowie die Verbrennung in Kaminöfen privater Haushalte. Diese Feinstaubquellen waren durch die Lockdown-Maßnahmen nicht betroffen und haben weiter emittiert. Durch die oben beschriebenen Wetterlagen haben sich auch die Feinstaubpartikel in den Bodennahen Schichten angereichert und die Luftqualität beeinträchtigt.

Die positiven Auswirkungen des geringeren Automobilverkehrs aufgrund der Corona-Pandemie-Maßnahmen auf die Stickstoffdioxid-Emissionen sind also wissenschaftlich belegt. Ungünstige Wetterbedingungen können jedoch die Reinigung der bodennahen Luft verzögern. Aufgrund der globalen Klimaerwärmung werden trockene, heiße Sommer in Mitteleuropa zunehmen, und damit Schadstoffbedingte Gesundheitsbelastungen zusätzlich verstärken. 

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