Blühwiesenbegutachtung zeigt: Wentorfer Blühwiesen funktionieren und sind sehr unterschiedlich
Am 26.05.2026 haben Norma Kujath und Dr. Kristina Steffen vom Deutscher Verband für Landschaftspflege SH die im Rahmen des „Blütenbunt“-Projektes angelegten Blühwiesen der Gemeinde Wentorf begutachtet.
Die im Frühjahr 2025 angelegte Fläche vor dem Rathaus sieht sehr gut aus. In diesem Frühjahr sind einige Stellen mit Regio-Saatgut nachgesät worden. Es ist eine artenreiche Wiese entstanden, mit Arten wie Wiesen-Flockenblume, Schafgarbe, Wiesen-Margerite, Hornklee, Wilde Möhre, Tüpfel-Johanniskraut, Moschus-Malve, Spitzwegerich, Scharfer Hahnenfuß, Sauerampfer und weiteren, die höchstwahrscheinlich aus der Saat-Mischung stammen und alle einer Vielzahl heimischer Wildbienen, Tagfalter und Käfer Lebensraum, Nektar und Pollen bieten. Eine zweijährige Art, die nicht aus der Saat-Mischung stammt und aktuell gut vertreten war, ist ein Stein-Klee (Melilotus spec.). Dieser könnte aus dem Substrat stammen. Da der Bestand noch lückig ist, werden sich zweijährige Arten wie Steinklee und Wilde Möhre vermutlich aussamen können und noch einige Jahre im Bestand zu finden sein.
Um die Artenvielfalt zu erhalten, ist es wichtig, eine angepasste Pflege durchzuführen. Die Empfehlung lautet: zweimal jährlich eine Mahd durchführen (ca. Ende Juni/Anfang Juli und ca. Mitte/Ende September). Das Mahdgut muss abgetragen werden, damit „Licht und Luft“ zu den Blattrosetten der Wildkräuter durchdringt. Zu seltene Mahd oder Mulchen würde dazu führen, dass die Artenvielfalt zurückgeht, da viele Arten „ausgedunkelt“ würden, während die Gräser profitieren. Schon nach wenigen Vegetationsperioden würden die Gräser übernehmen – zu Ungunsten der o.g. blühenden Kräuter.
Die ebenfalls im Frühjahr 2025 angelegte Blühwiese am Wohltorfer Weg ist aktuell relativ dicht im Bestand und wird von Gräsern dominiert. Nichtsdestotrotz war eine blühende Kuckucks-Lichtnelke im Bestand und es wurden u.a. die Satellit-Wintereule (Nachtfalter) im Raupenstadium sowie eine Strauchschrecke an den Gräsern (u.a. Glatthafer, Ruchgras, Honiggras) festgestellt.
Die Fläche ist relativ wüchsig und könnte bei Bedarf (evtl. alle 2-3 Jahre) auch dreimal jährlich gemäht werden (1. Maihälfte, Anfang Juli und September/Oktober). Auch hier mit Abtrag des Mahdgutes. Da das Mähen aufgrund des unebenen Bodens aufwändig ist, muss hier evtl. ein Freischneider zum Einsatz kommen.
Es bleibt aber die Teilbeschattung durch die Bäume. Die Wiese wird im Herbst mit Laub abgedeckt, was den gleichen Effekt auf die Blumen hat, wie liegen gebliebenes Mahdgut. Man wird daher mit einem hohen Gräseranteil leben müssen. Die Fläche hat dennoch einen ökologischen Wert, weniger als Pollen- und Nektar-Quelle für Insekten, dafür als Rückzugsraum, ggf. Überwinterungsversteck und Raupennahrung, da viele Schmetterlingsarten im Larvenstadium an Gräsern fressen.
Ferner wurde das neu angelegte Staudenbeet hinter dem Rathaus angeschaut. Es waren einige Stauden zu erkennen (z.B. Natternkopf), sie brauchen jedoch noch Zeit, sich kräftiger zu entwickeln. Stauden sind mehrjährig und oft im ersten Jahr noch nicht so prächtig. Einige Stauden wurden (vermutlich) von Kaninchen ausgebuddelt. Die anhaltende Trockenheit nach der Pflanzung hat das Wachstum auch nicht voran getrieben. Es wird daher empfohlen, bei Trockenheit zu wässern.
Die im vorderen Bereich des Beetes ausgebrachte Saat war erst noch dabei, überhaupt sichtbar zu werden. Aus Erfahrung ist hier ein Tipp, entweder die Fläche wie eine Blühwiese extensiv zu pflegen (Mahd mit Abtrag), oder eben gärtnerisch ein Staudenbeet zu pflegen. Dabei kann es hilfreich sein, die Stauden relativ dicht zu pflanzen, damit wenig Lücken für anfliegende Samen verbleiben. So kann der Arbeitsaufwand reduziert werden.